Moonsay – performative Musikinstallation
Das Stück „Moonsay“ verbindet persönliche Erinnerung, dokumentierte Gewalt und klangliche Transformation zu einer performativen Musikinstallation. Ausgangspunkt sind Erinnerungen von Hang Su an dokumentierte Brandanschläge auf migrantische Menschen und ihre Lebensräume in Deutschland. Diese Erinnerungen werden mit einer Komposition aus elektronischen Klängen verwoben, die von Gewalt, Schmerz, Verlust, aber auch von Zusammenhalt und Widerstandskraft erzählt.
Als inhaltliche Grundlage dient die Datenbank „Brandmuster“ des Forschers Joel Schülin, die Brandanschläge auf migrantische Lebensräume – insbesondere auf Flüchtlingsunterkünfte – dokumentiert. Die darin gesammelten Daten und Berichte bilden ein akustisches und konzeptuelles Archiv, aus dem Hang Su musikalische Strukturen entwickelt. Die Klänge greifen Fragmente dieser dokumentierten Ereignisse auf und transformieren sie in eine vielschichtige Klanglandschaft, die zwischen Bedrohung, Trauer und kollektiver Erinnerung oszilliert.
Zentral für die Performance ist die Verwendung von Alltagsgegenständen als Klangkörper. Wäscheständer, Posterrollen und andere scheinbar banale Objekte werden zu fragilen Resonanzkörpern, deren metallische, knarrende und vibrierende Klänge die Zerbrechlichkeit von Lebensräumen und die Spannung zwischen Alltag und Gewalt hörbar machen. Durch diese experimentelle Instrumentierung entsteht eine musikalische Sprache, die sowohl körperlich als auch räumlich erfahrbar wird.
Ein wesentliches visuelles Element der Installation ist eine großformatige Mondfotografie des kurdisch-amerikanischen Astrofotografen Darya Kawa. Das Bild des Mondes wurde in 368 einzelne B4-Infotafeln zerschnitten und im Raum neu zusammengesetzt. Der fragmentierte Mond fungiert als Symbol für Heimat, Erinnerung und regenerative Kraft. Gleichzeitig verweist seine Zerstückelung auf die Brüche in Biografien migrantischer Menschen, deren Lebensrealitäten häufig von Gewalt, Verlust und erzwungener Bewegung geprägt sind. In der Performance wird der Mond zu einem Orientierungspunkt – einem stillen Zeugen über Zeit, Raum und Grenzen hinweg, der Trost und Hoffnung spenden kann.
Durch die Verbindung von Klang, Rauminstallation und visueller Fragmentierung entsteht eine performative Arbeit, die kollektive Erinnerung, Migrationserfahrungen und gesellschaftliche Verantwortung thematisiert. „Moonsay“ versteht sich dabei nicht nur als künstlerische Reflexion, sondern auch als Einladung zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit den Folgen rassistischer Gewalt.
Die Aufführung von „Moonsay“ in Hamburg ist Teil des Festivals Fluctoplasma 2025. Eine weitere Präsentation findet in Frankfurt am Main statt und wird im Rahmen der Erinnerung an den rassistischen Anschlag von Hanau von der Stadt Frankfurt am Main finanziell unterstützt. In diesem Kontext verbindet die Arbeit die Erinnerung an vergangene und gegenwärtige Formen rassistischer Gewalt mit einem künstlerischen Raum für Trauer, Solidarität und Zukunftsvorstellungen.
26. Okt. 2025 MARKK Hamburg, Fluctoplasma 2025
01. März 2026 Brotfabrik, Framfurt am Main
Komposition: Hang Su
Musik / Performance: Chroma Kollektiv (Begüm Aslan, Albert Kuchinski, Leonard Melcher,
Patrícia Pinheiro) Unter der Leitung von Leh-Qiao Liao
Mondaufnahme: Darya Kawa
Archiv: Joel Schülin (Brandmuster)